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Archiv für den Monat Mai 2012

Remdoogo
Ein Operndorf zu bauen, das ist das letzte Projekt von Christoph Schlingensief. Er hat es im Mai 2009 begonnen, nach der Heilung seiner ersten Erkrankung an Lungenkrebs. Der Ort sollte in Afrika sein. Die Journalistin Sybille Dahrendorf, die schon vorher Fernsehbeiträge über Schlingensief gemacht hatte, war von Beginn an und bei jeder Reise nach Afrika mit dabei. So konnte sie schon die Suche nach einem geeigneten Standort dokumentieren, und das Glück, auf einer einsam gelegenen Anhöhe 40 km außerhalb von der Hauptstadt Ouagadougou in Burkina Faso einen passenden Platz gefunden zu haben. Es folgen die Planungen, die Grundstein-Legung, die gedehnte Zeit, bis die ersten Häuser sichtbar sind. Es sollte ein Film darüber werden, wie Schlingensief der Krankheit mit Kunst begegnet, wie man durch Kunst geheilt werden kann. Davon handelt der Film, und auch davon, dass die Kunst heilt, und doch die Krankheit gewinnt. Im August 2010 stirbt Christoph Schlingensief. Die Arbeiten stehen still. Ein halbes Jahr später werden sie wieder aufgenommen. Aino Laberenz, Schlingensiefs Frau, führt das Projekt fort. Im Film wird sie eingeführt, als sie bei der Eröffnung des Schulgebäudes im Oktober 2011 die Rede hält.

Steadycam und Wackelkamera 
Dahrendorf verwendet für ihren Film „Knistern der Zeit“ hauptsächlich ihr eigenes professionelles Filmmaterial. Aber sie konnte auch Sequenzen von Schlingensiefs Filmaufnahmen integrieren – Selbstportraits, Schwenks über die weite Landschaft oder eine lange, wackelige Kamerafahrt aus dem Auto. Da ist diese Szene, das Zentrum des Films, vielleicht ein Zentrum von Schlingensiefs Kunst: mitten in Burkina Faso auf staubiger Piste filmt er eine Kolonne von LKWs mit Übersee-Containern drauf. Darin eine komplette Theaterbühne, die Keimzelle des zukünftigen Operndorfes. Und plötzlich das Fragment eines Autobahnkreuzes, die Kolonne geht in die Kurve, alle LKWs mit ihren Containern schleifen vor dem dahinter fahrenden Begleitfahrzeug in die Rechtskurve. Schlingensief kommentiert die Szene, er weiß, was er da vor sich sieht. Es ist Spiral Jetty, es ist Fitzcaraldo, es ist situationistische Praxis. Mehr geht kaum.

Der rüttelte immer alles
Das Medium Film war für Schlingensief zuletzt ein Mittel unter vielen geworden. Er hat es in seine Installationen, seine Inszenierungen eingebaut. Aber das Medium als solches schien ihn einzuengen. Sein letzter Film „The African Twintowers“ blieb Fragment.
Er war nicht der Künstler, der leicht in Kategorien einzuordnen ist. Es gibt Zuschreibungen, er sei ein Film-, Theater- und Opernregisseur, Autor, Aktionskünstler und Talkmaster. Er hat mit den Kunstsparten gearbeitet, und gleichzeitig dagegen angespielt. Der Architekt des Operndorfs Diébédo Francis Keré, neben Aino Laberenz der wichtigste Protagonist des Projekts, formuliert das zu Beginn des Films so: „Der rüttelte alles immer. Er rüttelte, er musste alles verrühren…. Ja, das war Christoph.“
Der Film zeigt einen Großteil von Schlingensiefs Facetten. Er ist ein zentrales Dokument über das Operndorf-Projekt. Und zugleich läßt einen das Gefühl nicht los, dass da noch mehr ist.
Vielleicht ist es das Wissen, dass es bei Schlingensief immer ein Weiterarbeiten gab, das einen unruhig macht. Man möchte die Fortsetzung erleben, man möchte mehr, man möchte das komplette Rohmaterial sehen. (Nikolai von Rosen, Barbara Schindler)

Knistern der Zeit. Christoph Schlingensief und sein Operndorf in Burkina Faso. Ein Film von Sibylle Dahrendorf mit Christoph Schlingensief, Diébédo Francis Kéré, Aino Laberenz, dem Via Intolleranza – Ensemble und anderen Mitstreitern.


Der bundesweite Kinostart am 7. Juni 2012 wird von einer Theatertour mit Sibylle Dahrendorf (Aino Laberenz, Diébédo Francis Kéré u.a.) in folgenden Städten begleitet, in welchen der Film am darauf folgenden Donnerstag startet:
Kampnagel Hamburg, 2. Juni
Theater Freiburg, 3. Juni
Schauspiel Leipzig, 6. Juni
Theaterhaus Stuttgart, 10. Juni
Kammerspiele München, 11. Juni
Schauspielhaus Bochum, 12. Juni
Staatsschauspiel Dresden, 15. Juni
Theater Bonn, 20. Juni


Viele Jahre hatten die Bewohner eines Münchner Hauses kaum einen Blick übrig für den heiligen Sankt Georg, der in ihrem Treppenhaus so tapfer gegen den Drachen kämpft. Weil das Haus renoviert werden muss, ist es für ein paar Monate von allen Menschen verlassen. Der Heilige Georg aber und sein Pferd sind zurückgeblieben. Im Schutze einer Plastikfolie, aus der Zeit gefallen, kämpfen sie weiter gegen den Drachen. Im Juli wollen die Bewohner zurückkehren. 

Jetzt auch in München: Heute um 18 Uhr schlägt eine Anti-Gentrifizierungs-Guerilla-Gruppe in München zu. Getarnt als Goldgrund Immobilien Organisation mit eigener Webseite, Salesangeboten auf Immoscout und sozial-medial vernetzt. Zum Start ihres Münchner Büros in Schwabing ein Sektempfang. Alles scheint möglich: Compact Communities, Doorman-Service, Double-Carport und flotte Grundrisse. Was soll man da noch diskutieren: Beiträge zum Erhalt des Mietwohnungsmarktes und lebenswerter Wohnviertel, Angebote von guten Wohnstandard zu verträglichen Mietpreisen, Erhalt und Förderung von gewachsenen Hausgemeinschaften?

Die Gespräche makeln Christian von Borries (Kulturkritiker, Komponist, Künstler), Marina Dietweger (Kommunikation, GIMA Genossenschaftliche Immobilienagentur München) und Max Ott (Assistent am Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung, TU München). Initiiert von der Goldgrund Family Till Hofmann, Grisi Ganzer, Alex Rühle, Martin Schmöller. rhizom blog wünscht viel Erfolg!

Hier noch zur Erinnerung ein Link zu einem ähnlichem Ereignis in Berlin anno 2011.

90 Schauspielschülern der Berliner „Ernst Busch Schauspielschule“ wird Thomas Gottschalk ein Forum für ihren Protest geben. Sie wehren sich gegen die Ablehnung eines zuvor bereits zugesagten Neubaus und der Zusammenlegung von drei maroden Standorten ihrer Schule. Am Sonntag sorgte einer von Ihnen für Aufsehen durch laute Zwischenrufe in der Talkshow „Günther Jauch“. Bei „Gottschalk Live“ können alle ihr Anliegen als Kollektiv jetzt ausführlich vortragen und ihren Aufruf zur Unterstützung ihres sehr realen Traums formulieren. Heute, Mittwoch, 9. Mai 2012 um 19.20 Uhr.

Die Friseure Deborah Hanley und Thomas Schweizer im Gespräch über die Parallelen von Beruf und Hobby 

rhizom blog: Was ist das Besondere an Eurem Handwerk?
Thomas Schweizer: Das Besondere ist, dass man sehr schnell ein Ergebnis hat, ganz unmittelbar eine Reaktion bekommt. Man ist nah am Menschen und kann gestalten. Haare machen sehr viel mit dem Menschen, sie strahlen, wenn sie einen guten Haarschnitt bekommen haben, gehen aufrecht, sind glücklich. Wir können mit dem „toten Anhangsgebilde der Haut“ also doch viel Positives bewirken kann.
Deborah Hanley: Du hast die Macht die Leute glücklich zu machen.
Thomas: Ja, Du hast aber auch die Macht, die Leute unglücklich zu machen. Und dessen muss man sich natürlich schon sehr bewusst sein.
Deborah: Mir macht es Spaß, dass man sehr eng mit den Menschen arbeiten und gleichzeitig kreativ sein kann.

Lustig, wenn ich einen Tischler oder Restaurator nach dem Besonderen seines Handwerks frage, nennt er zuallererst das Material. Aber eigentlich logisch: wenn man mit Menschen zu tun hat, rückt das Material in den Hintergrund.
Deborah: Vielleicht sind wir so erfolgreich, weil wir den Menschen und nicht unser Handwerk in den Vordergrund stellen. Dass wir gutes Handwerk abliefern, ist selbstverständlich.
Thomas: Handwerk: das ist eine Frage der Sichtweise. Der Haarschnitt ist nur dann gut, wenn der Kunde ihn mag. Der ist nicht gut, wenn er super exakt geschnitten oder super modisch ist oder was weiß ich. Das sind natürlich alles wichtige Einflüsse, aber ein Haarschnitt ist dann gut, wenn die Leute ihn mögen, sich damit wohlfühlen, und weil er in einer angenehmen Atmosphäre entstanden ist. Read More

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Tempelhofer Feld ist eine Baustelle. Kräne und Absperrgitter stehen herum. Verteilt über das leere Flughafenareal kann man ungewöhnliche, rohe Holzkonstrukte entdecken – in der Nähe des Rosinenbombers, auf der Wetterstation, neben anderen mit Wellblech verkleideten Türmen oder versteckt zwischen Ahorn-Wäldchen. Konzentriert dreinblickende Handwerker streifen an nummerierten Holzplatten entlang, die vor ihnen ausgebreitet auf der Wiese liegen und überlegen den Aufbau. Manche Bauten stehen bereits, fachmännisch zusammengefügt von 1 bis 2 Zimmerleuten.

Es sind Häuser, die der Architekt Florian Köhl im August 2011 für das Festival Über Lebenskunst im Haus der Kulturen der Welt produziert hatte. Die Häuser für dieses Festival zum Thema Nachhaltigkeit wurden mit dem Wunsch entwickelt, daß sie weitere Verwendung finden – dafür wurde der Verein „Instant City“ gegründet, der die Häuser betreut. Damals hießen sie IMBAUEINBAU. Jetzt müsste man sie wohl in FREIBAUNEUBAU umbenennen.

Verantwortlich für den ersten Wiederaufbau auf dem ehemaligen Flugfeld ist das Architektenkollektiv raumlabor, das gemeinsam mit dem Hebbel Theater (HAU) eine dreiwöchige Weltausstellung im Juni ausrichtet. Mit der Freirauminstallation nimmt der HAU-Intendant Matthias Lilienthal seinen Hut.

„The World Is Not Fair -Die Grosse Weltausstellung 2012“ fügt sich in das Konzept der von raumlabor betriebenen Ideenwerkstatt Tempelhof, das die Aktivierung des Standorts durch Pioniernutzungen und kulturelle Initiativen mit langfristigen städtebaulichen Entwicklungskonzepten verknüpft und als integrativer Bestandteil des gesamten Entwicklungsprozesses versteht.

rhizom blog war vor Ort und hat erste Ergebnisse dokumentiert.

„Geteilte Autorschaft“ war übrigens das Thema, unter das Florian Köhl sein erstes Haus mit einer Baugruppe in Berlin entwickelt hat. Ein Artikel mit gleichlautendem Titel erschien in der Zeitschrift ARCH+ im März 2011 (ARCH+ 201/202 Berlin, März 2011, S. 114ff. http://www.archplus.net/ausgabe/201/202/

Das (giftige) Maiglöckchen ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die cirka 20 cm hoch wächst. Es besitzt ein bis zu 50 cm tief wurzelndes Rhizom als Speicher- und Überdauerungsorgan. Das relativ dünne, kriechende und ausläuferartige Rhizom verzweigt sich monopodial. Die oberirdischen Sprosse bilden sich daher jeweils hinter der Rhizomspitze. Sie beginnen kurz nach dem (genießbaren) Bärlauch zu blühen (Achtung: Verwechslungsgefahr) und halten bis zum Juni durch.

Falls man bei Waldspaziergängen Maiglöckchen entdeckt und die Pflanzen gerne auf den Balkon oder in den Garten verpflanzen möchte, empfiehlt rhizom blog die Pflanze auszugraben und an schattigem Platz und in sandigen Boden wieder einzupflanzen. Maiglöckchen sind unkompliziert: sie brauchen keine Pflege, vermehren sich sowohl über die Wurzeln als auch über Samen und halten härtesten Wintern stand.